Das klassische Kaffeehaus ist Weltkulturerbe, der Ober mit dem Silbertablett eine Institution. Aber Wien trinkt längst anders als früher. Neben den großen Häusern hat sich eine Specialty-Coffee-Szene entwickelt, die den Rohstoff ernst nimmt: von der Farm bis zur Tasse.

Traditionshäuser: Landtmann, Demel und Café Jelinek

Den traditionsreichsten Rahmen bietet das Café Landtmann am Universitätsring 4. Seit 1873 eine der ersten Adressen der Stadt: Melange, Verlängerter, Wiener Küche, Geschichte an jeder Wand.

Noch älter und süßer: Demel in Kohlmarkt-Nähe. Seit 1840 k.u.k. Hofzuckerbäckerei, meisterhafte Konditorkunst, historische Räumlichkeiten. Kaffee hier trinken heißt, Wien in seiner festlichsten Form zu erleben.

Wer Kaffeehaus-Patina ohne Touristenstrom sucht, findet das Café Jelinek in der Otto-Bauer-Gasse 5 im sechsten Bezirk, etwas versteckt, seit Jahrzehnten nahezu unverändert. Schmiedeeiserner Holzofen, kostenlose Zeitungen, hervorragender Kaffee, hausgemachter Guglhupf.

Neue Röstkultur: Goldener Papagei und Café Comet

Der Übergang zur neuen Kaffeekultur gelingt am elegantesten im Goldenen Papagei in der Praterstraße 17 im zweiten Bezirk. Die Geschichte reicht zurück bis 1978 nach Belgrad, heute wird sie in Wien modern weitergedacht: Direct-Trade-Bohnen, helle Röstung, Single Origins.

Ebenfalls im Siebenten: Café Comet in der Kirchengasse 44, das Zuhause von Fürth Kaffee. Wöchentlich wechselnde Single Origins, Cold Brew, Batch Brew, Chemex, AeroPress. Helmut Haller und sein Team nehmen Kaffee so ernst, wie er es verdient, ohne dabei den Spaß daran zu verlieren.

Morgens Specialty Café, abends Naturweinbar: ein Lokal mit echtem Charakter, ergänzt durch Weinverkostungen und Pop-up-Floristik.

Am Ring: Café Schwarzenberg

Am Kärntner Ring, entlang der Ringstraße, steht das Café Schwarzenberg seit 1861 für Wiener Kaffeehauskultur. Als ältestes Ringstraßencafé ist es fest im Stadtbild verankert und bis heute Teil des öffentlichen Lebens. Hier wird nicht abgeschirmt, sondern beobachtet, gelesen und gesprochen. In den Sommermonaten erweitert der Schanigarten den Raum in Richtung Ringstraße.

Für die stille Pause: Phönix Cafeteria

An der Simmeringer Hauptstraße liegt mit der Phönix Cafeteria ein ganz anderer Kaffeehaus-Typ: ein Ort, der auf Ruhe ausgerichtet ist, abseits von Innenstadtbetrieb und Szene. Kaffee- und Teespezialitäten, einfache Speisen, ein würdevoller Rahmen auch für Trauerfeiern.

Zwischen 1840er-Patina und Specialty-Coffee-Röstung liegt die ganze Bandbreite dessen, was Wien unter einer guten Tasse Kaffee versteht.