Wien kocht, und zwar anders als noch vor ein paar Jahren. Die interessantesten Neueröffnungen der Saison kommen nicht mit großen Gesten, sondern mit klaren Haltungen: Zero Waste als Fine Dining, Hot Pot als soziales Ritual, afrikanisch-lateinamerikanische Fusionsküche als persönliche Lebensgeschichte. Wer wissen will, wohin sich die Stadt kulinarisch bewegt, findet hier sechs Antworten.

Ossa: Zero Waste als Fine Dining

Im Ossa in Währing hat der peruanische Küchenchef Miguel Ángel Giraldo ein sechsgängiges Degustationsmenü entwickelt, das keine fixen Gerichte kennt, nur Saison, Region und die konsequente Idee, nichts zu verschwenden. Vom Knochen bis zur Haut, von der Wurzel bis zum Blatt. Was klingt wie eine Einschränkung, erweist sich als Befreiung: Das Erlebnis ist intim, präzise und überraschend opulent. Donnerstag bis Sonntag, Bischof Faber-Platz 8.

Dampha Kitchen: Gambia und Spanien auf einem Teller

Am Yppenplatz hat Khalifa Dampha nach fünf Jahren als Pop-up endlich eine fixe Adresse gefunden. Die Dampha Kitchen vereint die Aromen Gambias und Spaniens: würziges Peanut Butter Chicken, Jollof Rice, Empanadas, Tacos mit afrikanischem Twist. Eine Küche, die Geschichten erzählt und am liebsten in der Runde geteilt wird.

Happy Lamb: mongolischer Hot Pot als Abend-Ritual

In der Barnabitengasse 5 im sechsten Bezirk lädt Happy Lamb zum mongolischen Hot-Pot-Konzept. Der Topf steht in der Mitte, die Zeit gehört dem Tisch. Acht Stunden gekochte Knochenmarkbrühe, hauchdünn geschnittenes Lamm aus Irland, Ribeye, Meeresfrüchte, frisch gemachte Nudeln. Hot Pot ist hier kein schnelles Abendessen, sondern ein Abend.

Lanz Lamian, Carioca und Poco

Im Lanz Lamian am Hohen Markt 8/9 dreht sich alles um eine der ältesten Nudeltechniken der Welt: handgezogene Lanzhou-Nudeln und Biang-Biang-Nudeln, täglich frisch, mit kleinem Gastgarten.

Carioca hat in der Hamburgerstraße 16 im fünften Bezirk eine neue Heimat gefunden: brasilianisches Comfort Food, mehr als zwanzig Cachaças, Caipirinhas und eine Stimmung, die sich eher nach Copacabana bei Nacht anfühlt als nach Wien.

Und im neuen Boutique-Hotel Miiro am Spittelberg hat Poco in der Kirchbergasse Ende März eröffnet: kreative Pizza aus knusprigem Vollkornteig, Dough Balls mit Knoblauchbutter, Frühstück, Panuozzi und gute Drinks. Kein großes Konzept, einfach ein Ort, an dem man gerne sitzt.

Sechs Konzepte, sechs völlig unterschiedliche Ausgangspunkte, und doch derselbe rote Faden: Küche, die eine Geschichte erzählt statt nur ein Gericht zu servieren.