Wien hat sich in den vergangenen Jahren zu einer ernstzunehmenden Pizza-Stadt entwickelt. Neapolitanische Tradition trifft auf österreichisches Handwerk, Sauerteig auf Bio-Zertifizierung, und mittendrin eine wachsende Zahl an Adressen, die den Teig genauso ernst nehmen wie den Belag.

Neapolitanische Tradition: l'Autentico und Napolino

Den reinsten Ausdruck neapolitanischer Pizzakultur bietet l'Autentico in der Grinzinger Allee 30 im 19. Bezirk. André und Sandro Gargiulo haben neapolitanische Pizzakultur nach Wien gebracht: von der klassischen Margherita bis zur eleganten Bianca, von der Tartufata mit geräuchertem Scamorza und Trüffel bis zu individuellen Add-ons.

Dieselbe Familie, anderes Konzept: Napolino in der Hanuschgasse, unmittelbar neben Staatsoper und Albertina, ist der urbane Ableger: streetfoodtauglich, schnell und trotzdem handwerklich. Die Pizza Portafoglio wird zusammengefaltet und unterwegs gegessen.

Mit Eigenheiten: Cocore, Viva la Mamma und Pizza Randale

In der Bräunerstraße 4-6 arbeitet Cocore mit einer Eigenheit, die man sofort erkennt: Der Teig trägt Farbe. Die Pinna Gialla kommt mit Kurkuma-Teig, Thunfisch und Tropea-Zwiebeln.

Am Dr.-Karl-Lueger-Platz 5 hat Viva la Mamma eine Seele, die man spürt. Der Pizzateig ruht 72 Stunden, die Pasta wird täglich frisch von Hand gefertigt.

Im fünften Bezirk macht Pizza Randale in der Kettenbrückengasse 1, was sie will, und das mit Überzeugung. Neapolitanische Grundlage, aber keine klassischen Toppings: Feigen mit Rosmarin-Honig, Apfel mit Blutwurst. Abends wird der Laden zur Bar mit Club-Atmosphäre.

Bio und experimentierfreudig: Vero und Pizzeria Wolke

Für Bio-Pizza der ernsthaften Art ist Bio-Pizzeria Vero am Währinger Gürtel 162 die Adresse. Neapolitanischer Sauerteig, ausschließlich Bio-Produkte, glutenfreie Buchweizenpizza, veganer hausgemachter Käse.

Im siebenten Bezirk steht Via Toledo in der Laudongasse 13 für neapolitanische Pizza mit Enopizzeria-Anspruch. Und die Pizzeria Wolke in der Neubaugasse 34 denkt Belag neu: Lila Kartoffelcreme, Rote-Bete-Basis, vegane Toppings. Die Hälfte der Karte ist vegan, aber ohne Verzicht.

Weitere Adressen im zweiten und siebzehnten Bezirk

Im zweiten Bezirk lohnen sich zwei Adressen besonders: Pizza Mari in der Leopoldsgasse 23a und Preferita in der Franz-Hochedlinger-Gasse 7, beide mit handwerklichem Anspruch.

Und wer im 17. Bezirk sucht: Pizzeria 450 Gradi in der Kalvarienberggasse 43: der Name ist Programm. 450 Grad, kurze Backzeit, luftiger Rand. So, wie es sein soll.

Von klassisch neapolitanisch über Bio-Zertifikat bis zum experimentellen Belag: Wiens Pizzaszene hat sich in den letzten Jahren enorm ausdifferenziert.