Wer wissen will, was Wien wirklich isst, geht auf den Markt. Nicht in den Supermarkt, nicht ins Restaurant, sondern auf den Markt. Früh, wenn die Stände noch frisch bestückt sind, die Luft nach Kräutern und nassem Stein riecht und die Stadt noch nicht ganz wach ist. Wien hat davon einige, und jeder hat seinen eigenen Charakter.

Naschmarkt: Wiens größter und bekanntester Markt

Zwischen Karlsplatz und Kettenbrückengasse erstreckt sich Wiens größter Markt mit internationalen und orientalischen Spezialitäten, die man anderswo vergeblich sucht. Freitags und samstags kommen lokale Bauern dazu, am Samstag der Flohmarkt. Wer Zeit hat, verbindet den Besuch mit einem Spaziergang entlang der Wienzeilen-Häuser von Otto Wagner: Kulinarik und Architekturgeschichte in einem.

Freyung: ältester Bio-Markt Europas

Ganz anders die Stimmung auf der Freyung im ersten Bezirk. Der Biobauernmarkt hier ist kein gewöhnlicher Wochenmarkt: Er gilt als ältester Bio-Markt Europas. Das Angebot ist überschaubar, aber ausgewählt: Wachauer Safran, regionale Produkte in Bio-Qualität, Händler mit Haltung.

Karmelitermarkt: Grätzl-Herz im zweiten Bezirk

Im zweiten Bezirk hat der Karmelitermarkt über die Jahre eine treue Stammkundschaft aufgebaut. Mehr als hundert Marktstände, freitags und samstags ergänzt durch einen Bauernmarkt mit Bio-Fleisch, Käse, saisonalem Obst und Slow-Food-Spezialitäten.

Kutschkermarkt, Meidlinger Markt und mehr

Wer es ruhiger und bürgerlicher mag, findet im Kutschkermarkt im 18. Bezirk seinen Markt. Klein, fein, mit einer Stammkundschaft, die seit Jahren dieselben Stände aufsucht.

Der Meidlinger Markt im zwölften Bezirk ist ein Überlebender: in der Zwischenkriegszeit gegründet, hat er bis heute viel von seinem alten Flair bewahrt und gleichzeitig den Anschluss an die Gegenwart nicht verpasst. Ähnliches gilt für den Hannovermarkt im 20. Bezirk, einen Markt, der noch nicht entdeckt worden ist, im besten Sinne. Und den Viktor-Adler-Markt im zehnten, der mit seinem südosteuropäischen Einschlag eine Weltreise im Kleinformat bietet.

Brunnenmarkt und der einzige überdachte Markt Wiens

Wer den 16. Bezirk kennt, weiß: Brunnenmarkt und Yppenplatz sind der Mittelpunkt von Ottakring. Am Brunnenmarkt gibt es Lebensmittel aus aller Welt zu fairen Preisen, am Yppenplatz freitags und samstags den Bauernmarkt mit heimischen Bio-Produkten.

Eine Besonderheit zum Schluss: Der Meiselmarkt im 15. Bezirk ist Wiens einziger überdachter Markt, untergebracht in einem ehemaligen Wasserspeicher, direkt an der U3. Was wie ein Widerspruch klingt, funktioniert erstaunlich gut: frisches Obst und Gemüse, südosteuropäische Spezialitäten, und ein Flair, das man nicht plant.

Kein Markt gleicht dem anderen, und genau das macht Wiens Marktlandschaft zu einem eigenen kulinarischen Reiseziel innerhalb der Stadt.