Eis ist in Wien keine Saison, sondern eine Haltung. Wer weiß, wo er hingeht, findet das ganze Jahr über handgemachte Sorten, die mit Industrie-Gelato nichts gemein haben. Im Sommer aber gehört die Frage nach dem besten Eis der Stadt zur Grundausstattung jedes guten Stadtgesprächs.
Die Legende: Tichy am Reumannplatz
Die unbestrittene Legende ist Tichy am Reumannplatz 13 im zehnten Bezirk. Seit 1952. Die Eismarillenknödel, Vanillecreme mit fruchtigen Marillenkernen, ummantelt von geriebenen Haselnüssen, sind Wiener Kulturgut. Wer noch nicht dort war, hat eine Lücke in seiner Stadtbiografie.
Castillo's Eis & Bar und Leones Gelato
Im vierten Bezirk hat Castillo's Eis & Bar in der Margaretenstraße 42 ein eigenes Universum erschaffen. Melanie Castillo produziert alles selbst, arbeitet mit mindestens 50 Prozent Fruchtanteil und holt die Marillen vom Onkel aus dem eigenen Garten.
Wer Gelato im strengen Sinne sucht, ist bei Leones Gelato in der Langen Gasse 78 im achten Bezirk richtig. Täglich frisch, ausschließlich natürliche Zutaten, aufbewahrt in Pozzettis. Lavendel, Mohn, Kirsche, vegane Pistazie.
Gelato Carlo und Schelato
Ebenfalls im achten Bezirk, am Hamerlingplatz: Gelato Carlo. Der Besitzer macht kein Eis, er macht Gelato: Bohnen mit äthiopischen Kaffeebohnen und Piemonteser Haselnuss, Lemon Cake, Creamcheese.
Für alle, die ausgefallene Sorten schätzen: Schelato in der Schleifmühlgasse 11 im vierten Bezirk mit Matcha, Orange-Kumquat, Tonka salziger Brezel oder Lakritze.
Pizzi's and Cream, Eiskarussell und Eis am Maurer Hauptplatz
Für veganes Eis ohne Kompromisse lohnt sich ein Abstecher zu Pizzi's and Cream in der Burggasse 25 im siebenten Bezirk. Kleine Auswahl, sorgfältig abgestimmt, hochwertige Zutaten.
Das Eiskarussell an der Linken Wienzeile 40 im sechsten Bezirk überrascht regelmäßig mit Rose-Safran, Gurke-Limette oder Spirulina.
Wer Regionalität ernst nimmt, fährt nach Mauer: Das Eis am Maurer Hauptplatz 10 arbeitet mit Zwetschgen, Ribiseln und Walnüssen aus dem eigenen Garten, Milch vom Biobauernhof, Marillen aus der Wachau. Mehr als 60 Sorten pro Jahr: immer das, was die Natur gerade hergibt.
Von der Institution seit 1952 bis zur veganen Neuentdeckung: Wiens Eisdielen-Landschaft ist so vielfältig wie die Stadt selbst.